Vom Stolz einer Nation zum Klimakiller
Die Kuh ist ein Inbegriff der Schweizer
Identität. Zugleich ist sie ein Segen für die Menschheit, da sie Fleisch und
Milch liefert. Doch sie wird zunehmend als Klimakiller verunglimpft. Weil
sie bei der Verdauung rülpst und das Treibhausgas Methan ausstösst. Eine
genaue Betrachtung aber zeigt: Klimakiller sehen anders aus. Eine
Ehrenrettung der Kuh.
Die Kuh steht stellvertretend für alle
Wiederkäuer. Sie besitzt ein kompliziertes Magensystem, in dem Milliarden
von Bakterien und Mikroorganismen leben. Dank diesen kann die Kuh ein
Naturwunder vollbringen: Aus Gras und Heu wertvolle Fette und Eiweisse
herstellen. Dabei entsteht Methan Dieses Gas ist 25x klimaschädlicher als
das bekannte Kohlendioxid (C02). Die Kuh stösst das Methan durch Rülpsen
aus. Daher sind Kühe mitschuldig an der Klimaerwärmung - ein klarer Fall?
Wissenschaft im Labo
Anstatt den Ausstoss von Methan
im Labor zu messen, sollten die Klimaforscher eine angepasste Weidehaltung
von Kühen mit der industriellen Produktion von Fleisch und Milch
vergleichen. Dann erscheinen Kuhrülpser plötzlich in einem anderen Licht.
Am Anfang war das Gras...
Bevor der Mensch Landwirtschaft
betrieb, war 40% der globalen Landfläche von Gras bedeckt. Entweder aus
klimatischen Gründen oder wegen der Beweidung durch wilde Herdentiere wie
Gnus oder Bisons. Ohne Beweidung wären die afrikanischen Savannen, die
amerikanischen Prärien und viele andere Grasländer verbuscht oder verwaldet.
Der regelmässige Frass und die natürliche Düngung durch Weidetiere steigern
das Gras- und Wurzelwachstum. Dadurch wird viel C02 aus der Luft gebunden.
Wälder könnten zwar noch mehr C02 speichern, stünden dann aber nicht mehr
für die menschliche Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung. Eine nachhaltige
Weidewirtschaft hingegen liefert langfristig einen wertvollen Beitrag zur
Ernährung der Bevölkerung. Absterbende Graspflanzen verwandeln sich in
Humus. Weidende Tiere in angemessener Zahl tragen somit zum Humusaufbau und
zur Bindung von C02 im Boden bei.
...mehr Profit dank Mais, Getreide und Soja
70% der heute weltweit genutzten
Landwirtschaftsflächen waren ursprünglich Grasländer. Sie werden mehr und
mehr umgepflügt. Rund ein Drittel dient zur Produktion von Tierfutter.
Anstatt Gras fressen die Kühe nun Mais, Getreide und Soja, also Kraftfutter.
Dadurch steigt die Milch- und Fleischleistung beträchtlich. Aber allein
durch das Umpflügen von Grasland geht rund ein Drittel des Humus verloren.
Der intensive, grossflächige Anbau von Futterpflanzen laugt die Böden aus,
hohe Nährstoffverluste und Erosion sind die Folge. Um das auszugleichen,
werden Unmengen Kunstdünger eingesetzt. Am schlimmsten für die Umwelt ist
Stickstoff-Dünger. Denn 3% werden durch Mikroorganismen in Lachgas
umgewandelt, welches 295x klimaschädlicher ist als C02!
Industrielle Tierhaltung als Klimakiller
Um den wachsenden Fleischhunger
zu stillen, werden immer mehr Tiere unter katastrophalen Bedingungen
zusammengepfercht. Die industrielle Tierhaltung erlebt einen weltweiten
Boom. Es braucht immer mehr Ackerfläche für den Anbau von Kraftfutter,
selbst ungeeignete Böden kommen unter den Pflug. Vor allem Regenwälder
werden für intensiven Sojaanbau brandgerodet. Neben dem C02 aus der
Verbrennung und der Freisetzung von Lachgas aus Kunstdünger verliert die
Erde damit auch ihre grüne Lunge, die riesigen Urwälder, die C02 wieder in
Sauerstoff umwandeln.
Nicht die Kuh ist das Problem
Die Landwirtschaft trägt zur
Klimaerwärmung bei. Doch nicht das Methan der Kühe ist das Problem, sondern
die Treibhausgase aus der intensiven Massentierhaltung und dem weltweiten
Kraftfutteranbau. Landwirtschaftsflächen werden ausgelaugt und gehen
längerfristig verloren. Eine nachhaltige Weidehaltung hingegen trägt zur
Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit, zur Begrenzung des Klimawandels und zur
Welternährung bei.
Bewusster Konsum statt Verzicht
Die Lösung heisst also nicht,
keine Kühe mehr zu halten, sondern Verzicht auf Billigfleisch und dafür
massvoller Konsum von Milch und Fleisch aus Weidehaltung. Denn es gibt viele
Flächen in den Bergen oder anderen kargen Gebieten, wo zwar Gras wächst,
aber kein Ackerbau möglich ist. Diese Flächen wären für die menschliche
Ernährung verloren, wenn das Gras nicht durch Weidetiere genutzt würde.
Wiederkäuer sind zwar im Vergleich zu Schwein und Geflügel schlechte
Kraftfutterverwerter, dafür aber hocheffiziente Grasverwerter. Trotz Methan
aus der Verdauung weist die tierfreundliche Weidehaltung dank Humusbildung
eine positive Klimabilanz auf. Also retten wir die Ehre der Kuh und
bekämpfen stattdessen Tierfabriken und industrielle Kraftfutterproduktion,
die wahren Klimakiller.